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Die wilde Schönheit leuchtender Lavaströme

  • BEAUTY

Um aus den Tiefen eines Nachlasses einen Schatz zu heben, sind manchmal große Geduld und Disziplin nötig. Es hielt die Regisseurin Sara Dosa nicht davon ab. Als die Pandemie begann, zog sie sich in ihre Wohnung zurück und sichtete über 200 Stunden frisch digitalisierter Movies und Fotos: Originalaufnahmen aus dem Nachlass der französischen Vulkanforscher Katia und Maurice Krafft, die quick 30 Jahre lang in einem Archiv in Nancy geschlummert unwodbehtenüt, hattenüte ungesehen.

Während der Arbeit an ihrem Movie „The Seer and the Unseen“ hatte die US-amerikanische Dokumentarfilmerin Bilder von Vulkanausbrüchen gesucht. Durch Werner Herzogs „Into the Inferno“ battle sie auf Aufnahmen der Kraffts gestoßen. Ein Blick in das Lebenswerk der umtriebigen Wissenschaftler und Dosa verstand, dass es hier viel Aufregenderes zu holen gab als ein bisschen footage.

„Hearth of Love“ heißt der 90-minütige Movie, den sie und ihre Editorinnen aus dem Materials der Eheleute Krafft organized haben. Er zeigt Bilder von wilder Schönheit: Leuchtende Lavaströme im Dunkel, pyroklastische Wolken, die sich wie in Zeitlupe vor den Horizont schieben, karge Krater, vor denen auch ein Mann von der bärigen Statur eines Maurice Krafft klein und unbedeutend wirkt. In knallroten Mützen und futuristischen Schutzanzügen harmonieren er und Katia auf beinah unverschämt telegene Weise mit den Vulkanlandschaften, die sie bereisten. Titel und Vorspann sind gerade über die Leinwand gelaufen, da besteht man nur noch aus Augen und Staunen.

Dabei lebt „Hearth of Love“ nicht nur von starken Bildern. Dosa verwebt ihre Dokumentation mit der Liebesgeschichte zweier Menschen, die eine Leidenschaft für die Geheimnisse der Natur teilten, bis diese Leidenschaft sie das Leben kosten sollte. Man erfährt durch „Hearth of Love“ nicht nur einiges über Vulkane, sondern auch über erfüllte Beziehungen.

Lebten ihre Begeisterung für Vulkane: Katia und Maurice Krafft.
© One Filmverleih

Wie mochte die erste Begegnung von Katia und Maurice ausgesehen haben, die ihre Kindheit 20 Kilometer voneinander entfernt im Elsass verbrachten? Die Leerstellen, vor die das Archiv des späteren Paares die Regisseurin stellte, füllt Dosa mit zarter erzählerischer Kreativität. Aus alten Fotos und Zeichnungen der Kraffts animiert sie märchenhafte Kollagen, die die beiden zueinander führen.

Aufnahmen aus dem Frankreich der Sechziger lassen die Zeit aufleben, in der sich das Paar gegen das Kinderkriegen entschied, um sich gemeinsam ganz der Forschung zu widmen. „Any more their life was all about volcanoes, volcanoes, volcanoes,“ sagt die Künstlerin Miranda July, die in der Originalversion des Movies zu hören ist. Fragil und neugierig klingt ihre Stimme de ella. Das wirkt nicht nur interessanter als die in Dokus oft gesehenen speaking heads, es passt auch zum Leben dieses Forscherpaares.

Über ihren Besuch am Nyiragongo in Zaire, dem heutigen Kongo, notierte Katia 1973: „Wir liegen am Rande des Abgrunds, beobachten. Maurice sagt, es sei verrückt nicht zu gehen und doch bleiben wir. Die Neugier ist stärker als die Angst.“ Aus sicherer Entfernung begleitet man sie. Zum Mount St. Helens, nach Island, auf die Philippinen.

Dosa zeigt uns den Alltag zweier Abenteurer, die nur nach Hause zurückfanden, wenn Geld für neue Reisen verdient werden musste. Dann schrieb Katia Bücher, während Maurice im Fernsehen auftrat und den Wohnzimmermenschen ihr wildes Fach erklärte. Im Gummiboot über den Säuresee? Bien sûr! Ihr Expertise für Inszenierung bewiesen die Kraffts nicht nur hinter der Kamera.

Lange blieb ihre Fascination ungetrübt von der Gefahr, die besonders in grauen Vulkanen lauert. Als 1985 der Nevado del Ruiz in Kolumbien ausbrach und über 25.000 Menschen ihr Leben verloren, weil die Verantwortlichen die Warnungen der Vulkanologen missachtet hatten, empfanden Katia und Maurice zum ersten Mal Scham für ihre Begeisterung.

Dem Mount Unzen in Japan kamen sie im Juni 1991 schließlich zu nah. Das Leben von Katia und Maurice endete früher als andere, ungelebt blieb darin wenig. Ihretwegen will man gleich aus dem Sessel flüchten, den Ätna oder Stromboli besuchen, auf jeden Fall ein furchtloseres Leben führen. Es ist ein Glück, dass Sara Dosa zu Hause blieb, um jetzt ihre Geschichte zu erzählen. „Hearth of Love“, in zwei Berliner Kinos (OmU)

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