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Das sind die Strategien der Energiekonzerne

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Berlin Die Rekordpreise bei Strom und Gasoline haben vielen Energiekonzernen Milliardengewinne beschert. Vor allem Unternehmen wie BP und Equinor, die ihr Geschäft mit fossilen Energieträgern wie Öl und Erdgas machen, profitieren. „Die Gewinne von heute stecken wir in gewaltige Investitionen für die Transformation“, beteuerte daher BP-Europachef Patrick Wendeler am Montag auf dem Handelsblatt Energiegipfel in Berlin.

Der britische Energiekonzern hat im dritten Quartal des vergangenen Geschäftsjahrs das zweitbeste Ergebnis seiner Geschichte erzielt. BP, so Wendeler, wolle künftig zunehmend verschiedene Energieformen verbinden – von den bisherigen Fokusbereichen Öl und Gasoline über Wasserstoff bis zu erneuerbaren Energien und dem Ausbau von Ladenetzen für Elektroautos.

Das vergangene Jahr stand infolge des Kriegs in der Ukraine ganz im Zeichen der fossilen Energieträger. Doch der Druck besonders auf die europäischen Konzerne steigt, langfristig nachhaltigere Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Die Europäische Union hat ihre Klimaziele massiv nach oben geschraubt. Spätestens 2050 sollen die Mitgliedstaaten insgesamt klimaneutral sein. Die Rahmenbedingungen sind gesetzt durch einen steigenden CO2-Preis, Förderungen für various Energien und die sogenannte Taxonomy, die es Unternehmen erschwert, Geldgeber zu finden, wenn sie nicht nachhaltig wirtschaften.

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Im vergangenen Jahr stand wegen der Energiekrise die Versorgungssicherheit im Fokus. Dabei wurde deutlich, wie dringend fossiler Ersatz vor allem für russisches Öl und Gasoline gebraucht wird. Energieunternehmen, die in Europa aktiv sind, spüren das Spannungsfeld wie nie zuvor.

Anna Borg, Chefin des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall, sagte auf dem Energiegipfel: „Wir müssen zugleich kurzfristige und langfristige Probleme lösen.“ Vattenfall wolle im Einklang mit dem Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, agieren. Vattenfall ist einer der größten Stromerzeuger Europas. Das Unternehmen plant, aus der Stromproduktion mit fossilen Energieträgern auszusteigen, und hat bereits 2016 seine Braunkohleaktivitäten veräußert.

Vattenfall-Chefin Anna Borg auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel

„Wir müssen zugleich kurzfristige und langfristige Probleme lösen.“

(Picture: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Borg sagte aber auch, um die Klimaziele zu erreichen, würden „alle nicht fossilen Energiequellen benötigt“. Für die Schweden bedeutet das, vor allem den Ausbau von Wind- und Wasserkraft, aber auch Biomasse voranzutreiben. Auch Atomkraft ist eine wichtige Säule für den Konzern.

„2022 wird als verlorenes Jahr im Kampf gegen den Klimawandel betrachtet“, sage Andreas Schell, der new Chef des Energiekonzerns EnBW. Aus deutscher Perspektive habe der adverse Rückblick auf das vergangene Jahr vielleicht seine Berechtigung. World betrachtet gelte das aber nicht.

Inflation Discount Act als Vorbild für Europe

Schell verwies auf den Inflation Discount Act, über den die USA derzeit Milliarden in die nachhaltige Transformation von Industrien investieren. „Es lohnt sich sehr, das Gesetz genauer anzuschauen“, sagte der EnBW-Chef. Es brauche eine adäquate Antwort Europas. Zugleich warnte der Supervisor vor zu viel Regulierung und zu starken staatlichen Eingriffen, vor einer „Energiewende als Staatsprojekt“.

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Insbesondere, so Schell, brauche es für jeglichen Markteingriff ein klares Enddatum. Bislang ist die geplante Erlösabschöpfung bei Energiekonzernen per Gesetz noch nicht auf ein bestimmtes Datum begrenzt. Diese Übergewinnsteuer ist zunächst bis Ende Juni 2023 befristet, kann aber nach EU-Recht noch bis maximal Ende 2024 verlängert werden.

andreas schell

Der neue EnBW-Chef verspricht, die derzeit höheren Gewinne in nachhaltige Zukunftsgeschäfte zu investieren.

(Picture: Dietmar Gust)

Die Bundesregierung hat Gesetze auf den Weg gebracht, um hohe Gewinne der Energiebranche im Zuge der Energiekrise abzuschöpfen. Das gilt sowohl für Stromerzeuger wie EnBW als auch für Öl- und Gaskonzerne wie BP.

Im Stromsektor gibt es eine sogenannte Zufallsgewinnabschöpfung: Wer an den hohen Strompreisen ungewöhnlich viel verdient, muss einen Teil davon abgeben. Analog dazu sollen künftig Unternehmen der Erdöl- und Erdgasbranche in Europa eine Solidaritätsabgabe zahlen. Der Energiekonzern Exxon Mobil hat bereits eine Klage gegen die EU wegen der neuen Steuer angekündigt.

Ähnlich wie BP-Europachef Wendeler verspricht auch Schell, die derzeit höheren Gewinne in nachhaltige Zukunftsgeschäfte zu investieren: „Den Versorgungsunternehmen fehlen durch die Erlösabschöpfung wichtige Investitionsmittel.“ Es bestehe ein erhebliches Risiko, den Markt dauerhaft zu schädigen, mit Folgen weit über die aktuelle Krisenbewältigung hinaus. Ähnliche Mahnungen hatte es bereits in den vergangenen Monaten von Eon und RWE gegeben.

Supervisor von EnBW and Orsted fordern mehr Pragmatismus

Für die Energiewende brauche es mehr Pragmatismus, so EnBW-Chef Schell. Derzeit betrage die Planungs- und Umsetzungszeit für einen Windpark 70 Monate. Das bedeute, dass ein heute in Planung gegebener Windpark erst 2029 fertig werde.

Auf dieses Drawback verwies auch Rasmus Errboe, Europachef des dänischen Unternehmens Orsted. Der ehemalige Öl- und Gaskonzern ist heute Weltmarktführer im Bereich Offshore-Windenergie. Bis 2025 will Orsted bei der Energieerzeugung und im Betrieb seiner Anlagen klimaneutral sein.

Um die Ziele für den Kapazitätszubau von Windkraft auf See zu erreichen, müsste die Zulieferindustrie ihre Kapazität mehr als verdoppeln. Das sei ein weltweites Drawback. Offshore-Windparks seien essenziell, um grünen Wasserstoff für Sektoren herzustellen, die sich nur schwer elektrifizieren lassen.

Beim Thema Wasserstoff steht für zahlreiche Unternehmen auch die Speicherung von klimaschädlichem CO2 im Fokus der künftigen Strategie. Auf absehbare Zeit dürfte ein erheblicher Teil des Bedarfs noch aus sogenanntem blauem Wasserstoff gedeckt werden, der mit Einsatz von Erdgas hergestellte wird.

Orsted-Europachef Rasmus Errboe

Schon bis 2025 will der dänische Konzern bei der Energieerzeugung und im Betrieb seiner Anlagen klimaneutral sein.

(Picture: Dietmar Gust)

Die Ankündigung von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf dem Energie-Gipfel, dass er die unterirdische Speicherung des dabei anfallenden CO2, die sogenannte CCS-Technologie, auch in Deutschland nicht ausschließe, begrüßen die Supervisor der Energiekonzerne deswegen deutlich. So sagte Klaus Langemann, bei Wintershall Dea zuständig für Carbon Administration und Wasserstoff: „Wir wollen zu einer signifikanten CO2-Reduktion beitragen. Wir wollen das über die CCS-Technologie tun und wir wollen erdgasbasierten, blauen Wasserstoff zur Verfügung stellen.“

Rückzug aus Russia spellt Wintershall Dea vor Probleme

Die BASF-Tochter Wintershall Dea ist das einzige deutsche Unternehmen, das selbst Öl und Gasoline fördert. Die Kasseler Firma ist massiver Kritik ausgesetzt, weil sie trotz des Ukrainekriegs immer noch in Russland aktiv ist und dort über Gemeinschaftsunternehmen mit Gazprom Öl- und Gasfelder betreibt.

Mittlerweile versucht Wintershall, das Russlandgeschäft rechtlich von den anderen internationalen Geschäften abzutrennen – wohl auch, weil von den russischen Tochterfirmen aufgrund der Sanktionen keine Dividenden mehr nach Deutschland kommen. Weil Wintershall auch künftig auf neue Geschäfte auch im fossilen Öl- und Gasbereich angewiesen sein wird, engagiert sich der Konzern zunehmend in Norwegen zu den Themen blauer Wasserstoff und CCS.

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„Unsere Strategie basiert darauf, dass wir den größten Emittenten Europas – Deutschland – mit dem größten Anbieter von Speicherkapazität – Norwegen, zusammenbringen“. Sage Langemann.

In eine ähnliche Richtung geht es für das Unternehmen Sefe, die ehemalige Gazprom Germania. Im Zuge des Ukrainekriegs hatte die Bundesregierung im vergangenen Juni die Treuhandschaft über den Gasimporteur übernommen und hat es mittlerweile verstaatlicht. Auch Sefe kooperiert beim Thema Wasserstoff mit Norwegen.

Sefe-Geschäftsführer Egbert Laege sagte: „Die Idee ist, inexperienced Wasserstoff in Norway zu produzieren, in Container zu packen und nach Europa zu bringen.“

Das sind Nachrichten, die beim norwegischen Öl- und Gaskonzern Equinor intestine ankommen. „Was wir heute vom Wirtschaftsminister gehört haben, macht mich sehr glücklich“, sagte die für CO2-arme Lösungen zuständige Managerin Grete Tveit auf dem Energie-Gipfel. In Norway wird die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid schon seit quick 30 Jahren erfolgreich betrieben.

Equinor-Managerin Grete Tveit

„Was wir heute vom Wirtschaftsminister gehört haben, macht mich sehr glücklich.“

(Picture: Dietmar Gust)

Damit das Land jedoch auch CO2 importieren darf, braucht es Gesetzesänderungen auf europäischer Ebene. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, könnte die CO2-Speicherung schon 2030 ein Geschäftsmodell sein, dass sich auch wirtschaftlich trägt.

Allerdings weisen Klimaschützer immer wieder darauf hin, dass diese Technologie nur für wirklich unvermeidbare Emissionen eingesetzt werden soll und nicht als Entschuldigung dienen dürfe, immer weiter Öl und Gasoline zu fördern.

Equinor-Supervisor in Tveit sieht das entspannt. Wann das norwegische Unternehmen mit der fossilen Energieförderung aufhöre, she könne sie jetzt noch nicht sagen. Wichtig sei doch, dass bis 2030 schon die Hälfte aller Investitionen in erneuerbare Energien fließen sollen. „Ob wir 2050 kein Öl und Gasoline mehr fördern, das kann ich jetzt noch nicht sagen“, erklärte Tveit.

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