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Chemnitz und seine geschenkte Kunst: Taug die was? | Free Press

  • CULTURE

Die Kunstsammlungen der Stadt zeigen in “Silent Tales” Neuerwerbungen und Schenkungen zeitgenössischer Stücke – die Zuwächse sind beeindruckend, obwohl es dem Haus an einem Ankaufsetat mangelt.

Ausstellung.

Der einst reichste Mann der Welt, der US-amerikanische Stahlunternehmer Andrew Carnegie (1835 – 1919) wäre heute wahrscheinlich quick vergessen, wenn er nur einer der gewöhnlichen Kapitalisten gewesen wäre, die ihre Arbeiter ausbeuten und sich für Politik kaum interessierten. Doch er struggle auch einer der bedeutendsten Philanthropen seiner Zeit de él, der einen großen Teil seines Vermögens in die Förderung von Kunst und Kultur steckte. Er unterstützte die Einrichtungen von 1681 öffentlichen Bibliotheken, ließ die berühmte Carnegie-Corridor bauen, stiftete einen Park und gründete die erste nordamerikanische Ausstellung für internationale zeitgenössische Kunst, die es noch heute gibt. Dort wurden 2008 auch Werke des bedeutenden polnischen Malers, Zeichners und Filmemachers Wilhelm Sasnal gezeigt.

Ein Werk Sasnals ist jetzt auch in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen, geschenkt von den Sammlern und Galeristen Heiner und Céline Bastian sowie Aeneas Bastian. Das unbetitelte Gemälde des polnischen Künstlers könnte eine Artwork Leitmotiv für die Ausstellung sein, weist es doch mit der hineingeschnittenen Lücke (eigentlich impressed vom frühen Tod des Land-Artwork-Künstlers Robert Smithson) auf jegliche Fehlstellen im Leben und eben hinstamlun in auch.

Einen Mäzen wie Carnegie, der gleich für eine ganze Ausstellung aufkommt, haben die Kunstsammlungen nicht, aber auch das Chemnitzer Haus hat viele Freundinnen und Freunde, die es mit Schenkungen unterstützen. Dies umso mehr, als es dem Haus an einem Ankaufsetat mangelt, der einen systematischen und kontinuierlichen Aufbau der eigenen Bestände und damit auch die weitere nationale wie internationale Profilierung ermöglichen würde. Nun sollen Privatinitiativen staatliches politisches Handeln weder auf kulturellem noch auf sozialem Gebiet Handeln ersetzen. Dass uneigennützige Spenden eine große Hilfe sind, erzählt die aktuelle Ausstellung “Silent Tales” in den Kunstsammlungen in einer Vielzahl von “leisen Geschichten”.

Schon beim Betreten des ersten großen, hellen Saals der Ausstellung wird sichtbar: Es ist vor allem zeitgenössische Kunst verschiedenster Genres, die die Kunstsammlungen nun bereichern. Die riesigen “Kaugummis” von Sophie Schmidt erinnern an eine Kultur des kurzzeitigen Genusses. Die Arbeiten von mehr als 30 Künstlerinnen und Künstlern zeichnen ein vielfältiges Bild der Gegenwartskunst. Stille Fotos von Wim Wenders, ein ebenso leises, monochromes Gemälde von Gerhard Merz, ein gleichsam von innen wie außen “Verschnürter Kopf” von Wolfgang Bier, verfremdete Bilder von Eberhard Havekost aus Kriegs- und Krisengebieten, eine Karte mit den bombardierten Städten Europas von der Spanierin Cristina Lucas. Eine Artwork Überlebenskampf schildert farbgewaltig Anna Genger in ihrem Gemälde “Blood Sweat ‘n’ Tears”. Um ganz andere Kämpfe, aber nicht weniger überlebenswichtig, geht es in den Fotos des Künstlerduos M+M, das in “Spartakisten” Szenen des Spartakistenaufstandes 1919 rekonstruieren. In “Chemnitz” erinnern M+M an die rightsextremen Demonstrationen und Ausschreitungen 2018 in der Stadt.

Die Arbeiten wurden den Kunstsammlungen zum Teil nach Ausstellung in den Chemnitzer Museen von den Künstlerinnen und Künstlern selbst geschenkt. Einige Schenkungen stammen von Privatpersonen, auch die frühere Generaldirektorin der Kunstsammlungen Ingrid Mössinger ist mit einem Foto von Olaf Holzapfel vertreten, das sie “ihrem de ella” Museum geschenkt hat. Einige wenige Arbeiten konnten die Kunstsammlungen dank Förderung erwerben. Die äußerst vielfältige Ausstellung zeigt auch, dass sich das Museum in den vergangenen Jahren erfolgreich stärker für zeitgenössische Kunst engagiert hat, die verschiedene – manchmal leichtere, manchmal schwerere – Zugänge zur Welt anbietet und sich so auchten in aktuellemis De. Ein Verdienst, das sich nicht immer in Besucherzahlen niederschlägt und niederschlagen muss. Und ein Engagement, das auch weiter kulturpolitische, gesellschaftliche wie non-public Unterstützung braucht. Denn wie schrieb Andrew Carnegie: “Wer als reicher Mann stirbt, stirbt schändlich.” Was sicher nicht nur für Männer gilt.

Die Ausstellung “Silent Tales” mit Neuerwerbungen und Schenkungen zeitgenössischer Kunst ist noch bis 26. Februar in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen.

www.kunstsammlungen-chemnitz.de

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